Woche 1 – Von Bangkok in den Isan

Nach zwei Tagen in Bangkok ging die Reise tatsächlich los. Es hat sich ehrlich gesagt etwas komisch angefühlt, als ich am morgen um 06:00 meine Sachen gepackt habe und mein Bike startklar machte. Ich war nervös und positiv gestimmt. Ich hatte keine Ahnung was in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten auf ich zukommen würde.
Nach drei Selfies mit den Hotelangestellten ging es dann los. Meine ersten Meter verbrachte ich auf der Sukhumvit Road. Erste Herausforderung: U-turn; ich muss von ganz links nach ganz rechts auf der Strasse.


Herausforderungen:

  • Berufsverkehr ( gefühlt 1 Mio. Autos)
  • Strasse dreispurig
  • Keine Regeln (überholen rechts oder links

Mein Motto:

„So schwer kanns ja nicht sein, Augen zu und durch“


Ergebnis: Ich hatte 5 Minuten gebraucht bis ich tatsächlich auf der anderen Seite angekommen bin.
Die nächsten KM ging es dann mit dem Berufsverkehr durch Bangkok. Es war spannend, mal schön, mal hässlich und mal chaotisch. Meistens hat es gestunken. Ein Duftcocktail aus Abgasen, Kloake und morgendlichen Garküchen. Ein „ugly Bangkok Sling“. Es war aber auch schön und interessant. Interessant vor allem die Abwechslung und die Unterschiede zwischen bettelarm und steinreich auf engstem Raum. Hier noch das harte Leben auf der Strasse, eine Ecke weiter und von einer Betonmauer umrahmt, beginnt die Community der Wohlhabenden.
Die Fahrt durch Bangkok ging in Summe dreieinhalb Stunden, wobei ich nicht sagen kann, wo Bangkok eigentlich aufhört. Für mich war der nördliche Flughafen die Grenze. Ab hier konnte ich die Fahrt auch mehr und mehr genießen ohne mein Hauptaugenmerk auf den Verkehr zu legen

Tipps für Bangkok:

  • Auf keinen Fall in Klicks durch Bangkok fahren. Man muss einfach zu oft reagieren und mit unvorhersehbarem rechnen
  • Gasmaske ist Pflicht. Es gibt tatsächlich welche, die in Gasmasken unterwegs sind. Tatsächlich tut es auch ein Tuch oder eine Maske aus der Medizin. Hier sieht man am Tagesende am besten, welchem Schmutz und Abgasen man ausgesetzt ist. Vermutlich würde eine Rußpartikelmessstation nach 20 Sekunden explodieren.
  • Fahrradspiegel anbringen. Ich hatte auf einen Spiegel verzichtet. Es ist in jedem Fall aber nicht verkehrt einen anzubringen. Optimal wären sogar zwei, da sowohl rechts als auch links überholt wird.

Die kommenden Tage sahen bei mir dann folgendermaßen aus:

  • Früh aufstehen. Es macht am meisten Sinn, schon ganz früh auf Tour zu sein. Die Temperaturen sind noch ertragbar und die Sonne kommt noch nicht so durch.
  • irgendwie Frühstück und Flüssigkeit aufnehmen (ich bin kein Frühstücker um 06:00)
  • Taschen packen und am Rad anbringen
  • Radeln
  • Ankommen und relaxen.
  • Nächsten Tag planen. Route, Pausen, mögliche KM, mögliche Unterkünfte etc.
  • Essen
  • Schlafen

Wie ihr sehen könnt waren die erste Tage, außer dem Radeln, nicht sonderlich spannend. Es war erstmal eingewöhnen und den Körper einstellen angesagt. Aufgrund der hohen Temperaturen und dem enormen Flüssigkeitsverlust musste ich erst mal genau herausfinden, wie viel Energie ich dem Körper wieder zuführen muss. Dabei hilft es nicht nur möglichst viel zu trinken. Bei zu viel Wasser und zu wenig Elektrolyten scheidet der Körper das Wasser nämlich ganz schnell wieder aus.
Zurück zum Radeln. Nördlich von Bangkok kann man es recht schnell erahnen wo die Reise hingeht. Rechts und links groß angelegte und bestellte Felder. Die Reiskammer Südostasiens.

Überall hörte man alte umfunktionierte Dieselmotoren, welche Wasser aus den künstlichen Kanälen in die Felder pumpten um dem Reis sein Elixier zu geben. Das Leben der Thais wird hier von Kilometer zu Kilometer einfacher. Es ist ein Thailand, welches mit den Stränden und dem Thai Food wie wir es kennen mal gar nichts mehr zu tun hat. Würde man es nicht selbst mal sehen, so könnte man meinen man wäre in einem anderem Land. Die Uhrzeit läuft hier eher rückwärts bzw. die Zeit scheint stehengeblieben zu sein.
Danke meiner Navigationsapp (Locus Map Pro) konnte ich wirklich viele schöne Routen fahren, großteils Abseits der gewöhnlichen Hauptverkehrsadern. Ich bin durch viele Dörfer gekommen und konnte das reale Thai life erleben.
Mein Highlight der ersten Woche war zweifelsohne die Ankunft in einem Tempel.

Meine App hat es mit dem „Original Life erleben“ wohl zu gut gemeint. Ich hatte Tags zuvor auch nicht wirklich gut die Strecke studiert und bin eher blind drauf losgefahren, ganz nach dem Motto: Wird sich schon eine Unterkunft finden. Leider war mein Akku (der meines Körpers) nach 70 km leer. Die Sonne brannte und ich wußte, dass für heute Schicht im Schacht ist. In der Gegend gab es weit und breit keine Unterkunft. Als ich einen Tempel passierte, und auch noch sah dass dort Mönche am Blätter zusammenfegen sind, entschloss ich mich, dass dies mein Quartier für die kommende Nacht wird. Ohne zu zögern bin ich in den Tempel gefahren und meine ersten Worte, gemischt mit Zeichensprache waren: „May I ask you, if I can sleep in this temple for one night?“ Der Mönch nickte und ich baute mein Zelt auf.

5 Kommentare zu „Woche 1 – Von Bangkok in den Isan

  1. Na läuft doch. wenn ich an die Kokosnussinhalte und das Thaistreetfood denke – yum! Dabei wollten wir schon fast Wetten abschliessen wann der erste richtige Heuler kommt. Kann ja noch werden ;-). Ride on!

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